Verein Historie


Träger des Haus Nordhorn ist der Gemeinnützige Verein für Rehabilitation e.V. Gütersloh. Gegründet im Oktober 1972 hat sich der Verein bereits seit Anfang 1974 mit eigenen stationären und ambulanten Angeboten und Maßnahmen auf die psychosoziale Betreuung, Förderung und Rehabilitation von chron. alkoholkranken Menschen spezialisiert.
Ein wesentlicher Hintergrund dieser Spezialisierung war die mit der Vereinsgründung damals zeitgleiche Entwicklung eines speziellen Suchtbereiches im damaligen Landeskrankenhaus Gütersloh (heute LWL-Klinik), an dessen Konzeption und Umsetzung Vereinsmitglieder, die teilweise auch heute noch in der Vorstandsverantwortung stehen, maßgeblich beteiligt waren.


Bei der Entwicklung dieses Suchtbereiches mit einer Differenzierung der stationären Angebote und der damit verbundenen Selektionsprozesse wurden die Behandlungs- und Förderungsdefizite für eine bestimmte Klientel alkoholkranker Patienten auf drastische Weise evident.
Hierbei handelte es sich um chronische Krankheitsverläufe mit damals noch langfristigen stationären Aufenthalten und/oder häufigen Wiederaufnahmen infolge von Abstinenzunfähigkeit außerhalb der protektiven institutionellen Strukturen, und einem inzwischen weit fortgeschrittenen sozialen Desintegrationsstatus.
Patienten dieser Klientel galten als therapieresistent. Über kustodiale Angebote hinaus mobilisierten sie damals in der Klinik kaum noch ein therapeutisches Interesse.
Vor diesem Hintergrund hatten die meisten Patienten dieser Klientel selbst resigniert, und sich infolge fehlender anderer Lebensperspektiven auf eine Hospitalisierung eingelassen.


Bei intensiver Auseinandersetzung mit dieser Problematik war jedoch in Einzelfällen zu erleben, dass durch eine personal- und zeitintensive und ressourcenorientierte Arbeit durchaus noch neue bzw. andere Ansätze für Rehabilitations- und Integrationsperspektiven zu entwickeln waren.
Diese positiven Erfahrungen führten letztlich zur Entwicklung einer Konzeption für ein alternatives Behandlungs- und Betreuungssetting außerhalb der Klinik, das sich in der gebotenen fachlichen Form ausschließlich auf die psychosoziale Rehabilitation dieser Klientel konzentrieren wollte.

Mit dieser konzeptionellen Spezialisierung stellte sich der Verein bis zum Ende der siebziger/Anfang der achtziger Jahre in der damaligen BRD als ziemlich einzigartig dar. Erst dann entstanden zunehmend Institutionen und Initiativen, die sich in vergleichbarem Rahmen auf das genannte Klientel spezialisierten.

Mit der "Müllerburg" in Oerlinghausen wurde im März 1974 erstmals das Konzept einer psychosozialen Rehabilition für das oben genannte Klientel in die Praxis umgesetzt. Diese Konzeption wurde ab August 1976 unter wesentlich günstigeren inhaltlichen und räumlichen Bedingungen im "Sternhof" in Schlangen fortgeschrieben und modifiziert.


Im Rahmen der Gesamtkonzeption entstanden als ergänzende bzw. weiterführende Teileinrichtungen des "Sternhof" 1980 das heutige "Haus Nordhorn" in Gütersloh und 1983 das Haus "Externsteine" in Horn-Bad Meinberg.

Im konzeptionellen Kontext fungierte die Teileinrichtung in Gütersloh dabei im Rahmen der Arbeits- und Wohnrehabilitation inhaltlich und räumlich als letzte Phase der Belastungserprobung vor einer Wiedereingliederung.
Drastische Veränderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt im Verlauf der ersten Hälfte der achtziger Jahre führten zu deutlich verringerten bzw. nicht mehr existenten beruflichen Integrationschancen für unser Klientel. Bei damals noch fehlenden alternativen Arbeitsfeldern führten diese veränderten Umfeldbedingungen schließlich zu einer Modifizierung des Konzeptes mit dem Schwerpunkt auf Wohnrehabilitation und einer im Idealfall zumindest beruflichen Teilintegrierung.


Zudem fanden sich in dieser Zeit infolge fehlender ambulanter Betreuungsangebote für unser Klientel kaum Ansätze für eine tragfähige und fachliche Begleitung eines sozialen Wiedereingliederungsprozesses. Entsprechend stark entwickelte sich bei vielen Mitgliedern unser Klientel die Verharrungsbedürfnisse unter den bestehenden schützenden Strukturen.
Wir haben seinerzeit versucht, diese Defizite im Rahmen unser Möglichkeiten zu kompensieren und eine komplette Wohnetage in der Teileinrichtung räumlich soweit separiert, dass betreute Wohnformen mit einem Höchstmaß an persönlicher und sozialer Autonomie entwickeln konnten. Dieses integrierte Nachsorgemodell wurde zunächst einige Jahre beibehalten und dann aufgelöst, nachdem wir unser Klientel in externe ambulante betreute Wohnformen entlassen konnten.

Ab dem Anfang der achtziger Jahre sahen wir uns bei verscheidenen Institutionen infolge eigener einschlägiger konzeptioneller Spezialisierungen mit einer spürbaren Veränderung der Verlegungsmotivation in den "Sternhof" konfrontiert.
Dieses äußerte sich in vielen Einzelfällen in deutlich verschlechterten Krankheitsbildern mit resultierenden inhaltlich und zeitlich unabschätzbaren Integrations- und Rehabilitationsperspektiven.
Die Konzeption des "Sternhof" unterlag seinerzeit auch gewissen zeitlichen Rahmenbedingungen, die allerdings dem sich nunmehr darstellenden Bedarf schon allein in dieser Hinsicht nicht mehr gerecht werden konnte.
Mit der Einrichtung in Horn-Bad Meinberg konzipierten wir deshalb ein Setting mit einem ausgesprochen niederschwelligen und zeitlich unbefristeten psychosozialen Betreuungs- und Förderungsangebot. Ein wesentliches Ziel war es dabei auch, unter diesen entlasteten Bedingungen mittel- oder langfristig neue/andere Ansätze für rehabilitative Behandlungsmaßnahmen im "Sternhof" zu entwickeln.


Die vorgenannten Erfahrungen in der Gütersloher Teileinrichtung und die ursächlichen Hintergründe, die zum Konzept der Einrichtung in Horn-Bad Meinberg führten, motivierten im Verein schon damals Diskussionen über Versorgungs- und Förderungsformen zur Vermeidung bzw. Verkürzung von Heimaufenthalten und in diesem Zusammenhang auch zu strukturellen differenzierten Übergängen in ambulant betreute Wohnformen. Die damaligen Überlegungen entsprechen eigentlich dem, was heute unter dem Begriff des "stationären Wohnens" konzeptionell und formal klar definiert ist.

Mit Beginn des Jahres 1995 wurde dieser Verbund aufgelöst. Im Zuge einer Regionalisierung seiner Arbeit hat sich der Verein ab diesem Zeitpunkt ausschließlich auf seine Einrichtung in Gütersloh konzentriert.

Seither wird unter der Federführung des Haus Nordhorn das psychosoziale Betreuungs-, Förderungs- und Rehabilitationskonzept des Vereins mit inhaltlich und räumlich ausdifferenzierten Angeboten und Maßnahmen unter stationären, dezentralen stationären und ambulanten Strukturen fortgeführt.


Impressionen des Haus Nordhorn:



HAUSNORDHORN Haus Nordhorn Gemeinnütziger Verein für Rehabilitation e.V. Ambulante Wohnbetreuung AWB